Gründerstory: Von der Sofortüberweisung bis zur FinTecSystems

10 Jahre Liberalisierung im Payment- und Banking-Markt: Von der Sofortüberweisung bis zu FinTecSystems

Von Steinzeit-FinTechs und warum die Geschichte von FinTecSystems untrennbar mit der Regulierung des Payment- und Banking-Marktes verbunden ist.

Zum Zeitpunkt dieses Beitrags, ist gerade ein neues Zeitalter angebrochen, denn seit wenigen Wochen ist die zweite europäische Zahlungsdiensterichtlinie (PSD2) in nationales Recht umgesetzt. Banken und FinTechs sind jetzt nahezu gleichberechtigte Teilnehmer in einem regulierten und liberalisierten Markt. Damit ist das vorläufige Ende einer Entwicklung erreicht, die wir als Gründer von FinTecSystems von Anfang an begleitet haben und – ohne es zu wissen – sogar Teil des auslösenden Moments gewesen sind: Stefan Krautkrämer, Martin Schmid und ich, Dirk Rudolf,  haben ab 2006 als Kern-Team der damaligen Payment Network AG die SOFORT Überweisung mit aufgebaut, das erste bankenunabhängige E-Payment-Verfahren aus Deutschland. Wenn Journalisten heute von den „Paleo-Fintechs“ sprechen, dann meinen sie unter anderem die spätere SOFORT GmbH. Und in der Tat, 2006 klingt ja wirklich nach Steinzeit: Der E-Commerce gewann rasant an Fahrt und war noch lange nicht der Impulsgeber des Handles wie heute, es gab kein Smartphone, keine Apps, kein Mobile Banking etc.

Herausforderer in einem noch nicht existenten Markt

Aber: Immer mehr Menschen wollten damals wie heute schnell, sicher und unkompliziert im Internet bezahlen. Damit haben wir mit der SOFORT Überweisung den Nerv der Zeit getroffen: Mit unserer selbstentwickelten API, die 99% der Banken abdeckte, konnten Verbraucher mit PIN und TAN mittels ihres gewohnten Onlinebanking Zahlungen in vielen Webshops auslösen. Die komplette Bankenabdeckung war unser USP und dadurch hatten wir auch einen strukturellen Vorteil gegenüber Giropay, dem Pendant der Kreditwirtschaft, das nur bei einer Handvoll Banken funktionierte. Als junges Unternehmen, das jenseits der Bankenstrukturen entstanden ist, war die SOFORT Überweisung der Herausforderer der Banken und es gab zum Teil jahrelange Auseinandersetzungen im unregulierten, neuen Markt der elektronischen Zahlverfahren.

Diese Entwicklung war in den 2010er Jahren in ganz Europa zu spüren und rief die EU Kommission auf den Plan: Es galt einen einheitlichen europäischen Zahlungsraum zu schaffen, mit Banken und unabhängigen Anbietern als gleichberechtigte Marktteilnehmer. Dies war die Geburtsstunde der späteren PSD2. Während sich die SOFORT Überweisung in den Folgejahren klar am Markt unter den Top fünf der Zahlungsmittel etablieren konnte, setzte zunehmend eine erste Konzentrationswelle am Markt ein: Die SOFORT GmbH wurde Ende 2013 bekanntlich Teil des schwedischen E-Invoice-Spezialisten Klarna.

 

FinTecSystems Management

 

Gründung von FinTecSystems aufgrund persönlicher Erfahrungen

Diesen Entwicklungsschritt nahmen wir zum Anlass, das Unternehmen zu verlassen: Stefan, damals COO, Martin (als Director zuständig für die Key Accounts) und ich als CIO wollten wieder das tun, was wir liebten: Ein Unternehmen von Anfang an in einem spannenden Markt aufbauen, mit kurzen Entscheidungswegen, agilem Projektmanagement und einem Business Case, von dem wir absolut überzeugt sind. Für die Gründung und die Entwicklung des Geschäftsmodells von FinTecSystems waren dann persönliche Erfahrungen verantwortlich: Stefan hatte als COO zu SOFORT-Zeiten eine Reihe von Testkonten angelegt, auch um den Algorithmus immer wieder zu verbessern und die Bedienungsfreundlichkeit unserer Oberfläche zu testen. Diese Ansammlung von Konten war zu viel für ein Bank-internes Scoring: als Stefan privat eine Kreditkarte beantragt hatte, bekam er keine – trotz ausreichender Liquidität. Auch bei mir gab es Schwierigkeiten bei der Einschätzung meiner Bonität: Beim Immobilienkauf erhielt ich deutlich schlechtere Konditionen für einen Kredit vermutlich aufgrund einer Nullprozent-Finanzierung von vor einigen Jahren – diese Konsumentenfinanzierung ließ auch noch Jahre später meinen Schufa-Score sinken. Wir erlebten also am eigenen Leib, dass es offenbar Optimierungspotenzial bei der Beurteilung der Bonität gibt. Unter dem Eindruck dieser persönlichen Erlebnisse und mit dem Hintergrund von mehr als zehn Jahren Erfahrung im E-Banking, E-Payment und E-Commerce-Bereich gründeten Stefan und ich 2014 in München die FinTecSystems GmbH.

Moderne Arbeitswelt: Arbeiten von drei Standorten aus

Wir haben uns mit FinTecSystems auf die vollautomatisierte Finanzanalyse auf Basis von Online-Banking-Daten spezialisiert und nutzten von Anfang an die Entwicklungen, die uns das kollaborative Arbeiten von drei Standorten aus ermöglichte: cloudbasierte Services, moderne Kommunikationstools und ein schlankes, agiles Team haben uns geholfen, schnell im Markt Fuß zu fassen. Mit Hilfe unserer Produkte, die aktuell Banken in Deutschland, Österreich und Spanien abdecken, liefern wir eine präzise Analyse zur Kreditfähigkeit von Konsumenten, immer auf Basis des Kontozugriffs (XS2A).

 

FinTecSystems Office München


Großes Potenzial im XS2A und Smart Data

Seit unserer Zeit bei der SOFORT Überweisung wissen wir, welches Potenzial in der Transaktionsanalyse des Onlinebankings schlummert: Cashflow-Analysen, Aggregation von Umsatzdaten, Risiko-Prognosen, die digitale Haushaltsrechnung, Dispo-Analysen, die Aggregation von API, Fraud- und Bonitäts-Indikatoren, die Gehaltsplausibilisierung sowie die Kontoinhaber-Verifikation – all das lässt sich mit einem digitalen Kontocheck in Echtzeit bewerten und zum Beispiel für die Bonitätsprüfung von Online-Krediten verwenden.

 

Win-Win-Situation für Anbieter und Konsument. Der Xs2A (Access to Account) bietet die Grundlage für viele Mehrwertdienste. Was Banken, Fintechs und Zahlungsabwickler vom E-Commerce und der Customer Experience lernen können, erfahren Sie in unserem kostenlosen Whitepaper „XS2A und das Nutzererlebnis“- Jetzt downloaden!

 

Dieser Smart Data Ansatz ist unter anderem die Voraussetzung für die vielen tollen Endkunden-Angebote, die es seit einigen Jahren gibt, entwickelt vor allem von FinTechs aber auch von etablierten Banken. Nun nach etwas mehr als zehn Jahren, seit den ersten bankingnahen Digitalunternehmen, gehört die deutsche und auch europäische FinTech-Szene zu einem wichtigen Innovations- und Wirtschaftsfaktor in der Digitalwirtschaft. Das ist das Verdienst von vielen mutigen Gründern, aber auch der bevorstehenden Regulierung des Marktes durch den Gesetzgeber. Damit ist die PSD2, deren Prozess wir von Anfang an begleiten, bereits jetzt, vor der finalen Umsetzungsstufe, ein Erfolg, trotz der atmosphärischen Störungen auf der Zielgerade.    

Dirk Rudolf, COO

 

Dirk Rudolf, Gründer und Managing Director von FinTecSystems