Junge Frau beim Online Banking

4 Banking-Innovationen, die uns unser Leben dank Open Banking und PSD2 leichter machen

Offene Schnittstellen, neue Kooperationsmodelle, Datenaustausch in Echtzeit: Open Banking führt zu Innovationen im Banking und ist ein echter Verkaufsschlager. Von cleveren Traditionsbanken über smarte Fintech-Startups bis hin zu Banking-Neulingen profitieren alle Beteiligten von der neuen Offenheit im Bankwesen. Mit der PSD2-Richtlinie, die zum 13. Januar 2018 EU-weit in Kraft getreten ist, läuft der nächste Digitalisierungsschub an, von dem am Ende vor allem Kunden profitieren werden. Die Öffnung des Zahlungsverkehrs gegenüber Nicht-Banken verspricht mehr Wettbewerb mit vielen neuen Angeboten. Wir haben vier vielversprechende Banking-Innovationen unter die Lupe genommen, die uns unser Leben leichter machen werden.

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1. „Alexa, einmal Taschengeld für meine Tochter, bitte!“

Mit intelligenten Sprachassistenten entsteht ein ernstzunehmendes Nutzer-Interface für Banking-Produkte.Mehrere zehn Millionen Alexa-Geräte hat Amazon allein im letzten Weihnachtsgeschäft verkauft. Die kleinen Lautsprecher entwickeln sich zum Universaltalent in vielen Haushalten und dürften schon bald ein wichtiger Zugangspunkt für Bankgeschäfte sein.

Voice -Banking: Alexa einmal Taschengeld bitte


Alexa könnte mit sprachbasierten P2P-Zahlungen schon bald eine neue Form des Wohnzimmer-Banking definieren.

Als problematisch galt bislang die einwandfreie Identifizierung des Kunden. In einem Durchschnittshaushalt nutzen gleich mehrere Personen gleichzeitig ein einziges Gerät. Jetzt hat der Technologieanbieter Daon eine Lösung in der Pipeline: Biometrische Spracherkennung, auf deren Basis sich P2P-Zahlungen per Alexa durchführen lassen. Damit könnte Amazon schon bald zur sprachbasierten Schnittstelle für Überweisungen und andere Alltagstransaktionen aufsteigen – sicher, schnell, und superbequem.

Die Innovation auf einen Blick:

Zahlreiche Banken und Sparkassen arbeiten bereits an eigenen Skills für Alexa, beispielsweise zur Abfrage des Kontostands oder für den Transfer von Guthaben zwischen dem eigenen Giro- und Sparkonto – auch wenn Amazon in Deutschland und Europa derzeit auf die Bremse tritt. Neu wird die Möglichkeit sein, Geld an Freunde, Kollegen oder den eigenen Vermieter per Alexa zu überweisen. Das wird erst durch die Biometriefunktion mit Spracherkennung möglich.

Wer am meisten davon profitiert:

Sprachbasierte P2P-Zahlungen heben das Wohnzimmer-Banking auf ein neues Komfortniveau – und davon profitieren vor allem Kunden: Medienbrüche verschwinden, komplizierte Sicherheitsmechanismen werden überflüssig, alles wird bequemer. Aber auch Amazon selbst zählt zu den Gewinnern und unterstreicht mit der neuen Alexa-Funktion seine Positionierung als sehr, sehr ernstzunehmender Player im Finanzbereich.

Wann es soweit ist:

Laut CNET könnten die ersten Banken noch in diesem Jahr mit dem neuen Alexa-Service an den Start gehen – zumindest in den USA. Der Technologieanbieter Daon ist laut eigener Aussagen bereits mit mehreren großen Banken im Gespräch. Mit einem Start in Europa rechnen wir nicht vor 2019.

2. Mobile First-Banken bieten noch mehr Mehrwert

Challenger-Banken wie N26 aus Deutschland und Revolut aus Großbritannien sind mit einem hehren Ziel angetreten: Banking, wie es die Generation Mobile wirklich liebt. Mission accomplished! könnte man sagen, denn die Erfolgsgeschichte der neuen Fintech-Helden ist fast zu schön, um wahr zu sein. Allein N26 hat in nur knapp zwei Jahren mehr als eine halbe Million Kunden in Deutschland gewonnen und expandiert mittlerweile auch international – unter anderem in Großbritannien, Frankreich und den USA.

Mobile-First-Banken bieten einen Mehrwert dank PSD2


Mobile Banking-Apps werden immer mehr zur digitalen Schaltzentrale für alle Finanzgeschäfte.

Dank PSD2 wird sich das Innovationstempo, mit dem Challenger-Banken neue Services für ihre Kunden auf den Markt bringen, weiter beschleunigen. Es geht um die bessere Nutzung von Kundendaten – zum Vorteil der Kunden! Mit digitalen Zusatzangeboten lässt sich das Banking-Erlebnis Schritt für Schritt ausbauen und harmonisieren, so dass mobile Nutzer am Ende auf alle Services über eine einzige Benutzeroberfläche – ihre Smartphone-App – zugreifen können.

Die Innovation auf einen Blick:

Mobile Banking-Apps werden zur digitalen Schaltzentrale für alle Finanzgeschäfte: kein mühsames Hin- und Herspringen zwischen unterschiedlichen Webseiten und Apps, die jede für sich einen separaten Login hat und deren Nutzererlebnis sich voneinander unterscheidet. Selbst klassische Banken können dank der durch PSD2 eingeleiteten Kooperationen einen Innovationssprung vollziehen. Wenn Kunden den Großteil ihrer im Alltag benötigen Finanzangelegenheiten über eine einzige App abdecken, spart das Zeit und reduziert das Stresslevel.

Wer am meisten davon profitiert:

Alle Kunden, die ihren Tagesablauf am liebsten mobil organisieren! 2.617 Mal täglich lässt ein durchschnittlicher Smartphone-Nutzer seine Finger über das Display gleiten. Ausgewachsene Mobile Geeks bringen es gar auf 5.427 Mal! Wie schön wäre es für diese Zielgruppe, Banktransaktionen und im Idealfall gleich alle Finanzgeschäfte inklusive Börse, Kredite, Versicherungen und Co. per Smartphone-App abzuwickeln.

Wann es soweit ist:

Wir sind schon da! Beispielsweise hat N26 vor einiger Zeit mit dem digitalen Versicherungsmanager Clark gemeinsame Sache gemacht. Clark zeigt N26-Kunden in ihrer App die zur ihrer individuellen Situation am besten passenden Versicherungstarife an. Da ist es leicht vorstellbar, dass schon bald neue Angebote wie Kreditvergabe auf einen Klick hinzu kommen.

3. Kreditvergabe in Sekundenschnelle und ganz ohne Papierkram

Apropos Kreditvergabe: Wer den Kauf eines neuen Autos oder die Anschaffung des lang ersehnten Lieblingsmöbels fremdfinanzieren möchte, zählt ebenfalls zu den Gewinnern von Open Banking und PSD2. Der Austausch von Kundendaten in Echtzeit ermöglicht die Kreditvergabe in Sekundenschnelle.

Kreditvergabe in sekundenschnelle dank PSD2 und Open Banking


PSD2 und Open Banking fördern den nahtlosen Datenaustausch – und ermöglichen Kreditzusagen in Sekundenschnelle.

Wo bisher für den Abschluss eines Ratenkredits viele manuelle Arbeitsschritte nötig waren und der gesamte Vorgang oft mehrere Tage in Anspruch nahm, geht jetzt alles ganz fix. Die zeitraubende Besprechung des Finanzierungsvorhabens mit dem Bankberater, das Zusammensuchen zahlloser Kontoauszüge und Gehaltsabrechnungen sowie die aufwendige Analyse der Einkommensverhältnisse gehören der Vergangenheit an.

Die Innovation auf einen Blick:

Online-Kreditvermittler wie smava, Finanzcheck und Check24 verschaffen Kunden schon jetzt in Sekundenschnelle einen Überblick über attraktive Kreditangebote. Neben der komfortablen Suche und Auswahl eines Anbieters kommt es jetzt auch zum digitalen Vertragsschluss. Online-Kreditgeber wie cashpresso versprechen Kunden eine Kreditzusage innerhalb von 10 Minuten. Mit einem besser organisierten Datenaustausch der Anbieter untereinander und gespickt mit künstlicher Intelligenz, reduziert sich dieser Vorgang auf wenige Sekunden.

Wer am meisten davon profitiert:

Kunden die vor einer großen Kaufentscheidung stehen, wurde die Vorfreude auf ihre neue Anschaffung durch den komplizierten Prozess der Kreditvergabe getrübt. Die Online-Kreditvergabe erspart das lästige Hin- und Herschicken von Nachweisdokumenten und das schriftliche Unterzeichnen von Verträgen. Jetzt geht alles digital und schnell! Das gleiche Prinzip gilt übrigens auch für Unternehmen, die auf der Suche nach einer Fremdfinanzierung sind: Beispielsweise bietet Funding Circle die Schnellvergabe von Firmenkrediten an.

Wann es soweit ist:

Viele Online-Banken bieten ihren Kunden schon seit einiger Zeit die digitalisierte Vergabe von Krediten an. Dabei wird allerdings oft der Papierkram durch den Upload von PDF-Dokumenten ersetzt – zu 100 Prozent digital ist das noch nicht. Mit dem verbesserten Austausch von Kundendaten nach PSD2 dürften solche Workarounds in Kürze der Vergangenheit angehören.

4. Facebook Messenger macht aus Online-Banking Chat-Banking

Auch wenn das Nutzerwachstum zuletzt etwas abflachte, ist Facebook mit über zwei Milliarden aktiven Mitgliedern noch immer das mit Abstand größte soziale Netzwerk. Seine eigene Zukunft sieht Facebook ohnehin in anderen Bereichen, unter anderem in Messenger-Diensten – dort natürlich mit seinem aktuellen Steckenpferd WhatsApp und, mit einigem Abstand dahinter, im Facebook Messenger.

Chat-Banking via Messenger


Dank Open Banking und PSD2 könnte dem Chat-basierten Banking per Facebook Messenger schon bald nichts mehr im Weg stehen.

Während sich WhatsApp-Nutzer mit Katzenbildern vergnügen, mausert sich Facebook Messenger zum digitalen Universaltalent. Integrierte intelligente Services sollen Nutzern in Zukunft ein umfangreiches Kundenerlebnis bieten, in dem auch Banking-Services eine wichtige Rolle spielen werden. Ein digitales Ökosystem, vergleichbar mit der chinesischen WeChat-Plattform, will Facebook aufbauen.

Die Innovation auf einen Blick:

Mit PSD2 eröffnet sich für Facebook die Möglichkeit, Zahlungsdienste anzubieten. Messenger-Nutzer können dann im ersten Schritt untereinander Geld transferieren und auf klassische Überweisungen oder PayPal-Transfers verzichten. Interessanter aber ist der Blick in die Zukunft: Schafft es Facebook, Bankdaten per API anzuzapfen, ist mit dem Messenger der Weg zum Chat-basierten Banking frei. Das wäre dann eine echte Innovation im Banking-Markt!

Wer am meisten davon profitiert:

Zunächst einmal alle Facebook-Nutzer, die sich von WhatsApp trennen und mit Messenger anfreunden können. Der Umstieg fällt nicht leicht: Die Bedienung und das gesamte Nutzererlebnis unterscheiden sich erheblich voneinander. Wenn Facebook es allerdings gelingt, Services mit klar wahrnehmbaren Mehrwert in seine Messenger-App zu integrieren, sprechen nur noch wenige Gründe für den Abschied von WhatsApp.

Wann es soweit ist:

Facebook hat einen P2P-Zahlungsservice für seine Messenger-App im November 2017 angekündigt, zunächst auf Großbritannien und Frankreich beschränkt. Dass die Messenger-Abteilung seit einiger Zeit vom ehemaligen PayPal-Chef David Marcus geführt wird, spricht ebenfalls für die wachsenden Ambitionen der Kalifornier im Finanzbereich. Es ist einiges Bewegung bei Facebook, in die Karten schauen lässt sich das soziale Netzwerk allerdings nicht. Es bleibt spannend – und wir bleiben am Ball!

Alle weiteren Details zur PSD2 und die wichtigsten Informationen zur neuen EU-Richtlinie finden Sie in unserem Blogbeitrag über die Historie der PSD2.